Schachbrettfalter (Melanargia galathea) kommen in edlem Schwarz-Weiß daher und ein Blick auf die Oberseite der Flügel genügt, um die Namensherkunft
zu erkennen. Mit einer Flügelspannweite von 37 bis gut 50 Zentimetern gehört der schöne Schmetterling weder zu den größten noch zu den kleinsten der Edelfalter-Familie. Wegen seiner
schachbrettartigen Zeichnung ist er leicht bestimmbar und fällt im Gelände schnell auf, wenn er sich mit ausgebreiteten Flügeln in der Sonne aufwärmt. Nicht immer sieht die Zeichnung der
Oberseiten so typisch und gleich aus wie bei den Exemplaren auf dem Foto, denn es gibt auch braun-weiße Falter sowie insgesamt hellere oder dunklere. Die Flügelunterseite ist weiß und trägt eine
schwarze Aderung, graue Flecken sowie mehrere Augenflecken, weshalb das Schachbrett zur Unterfamilie der Augenfalter gehört. Beim Männchen sind alle Merkmale auf der Flügelunterseite schwarz,
beim Weibchen braun. Ganz selten flattern einem Exemplare über den Weg, deren Flügelunterseite nahezu weiß ist.
Schachbrettfalter kann man nur eine begrenzte Zeit im Jahr beobachten, denn sie fliegen in nur einer Generation von ungefähr Mitte/Ende Juni bis Ende Juli, manchmal bis in den August hinein. Leider teilt der Schachbrettfalter das Schicksal fast aller unserer Schmetterlinge und wird immer seltener. Dort, wo er noch vorkommt, kann er aber regelmäßig angetroffen werden. In diesen Gebieten trifft man auf bevorzugten Nektarpflanzen wie Acker-Witwenblume oder Wiesen-Flockenblume nicht selten auf Ansammlungen von mehreren Tieren. Das ist ein Anblick, der uns nur noch selten vergönnt ist. Wann sieht man schon noch mehrere Schmetterlinge gleichzeitig auf einer Pflanze.
Schachbrettfalter brauchen offene, sonnige Landschaften, in denen eine Vielzahl von Blütenpflanzen als Nektarquelle für die Falter und verschiedene Gräser als Nahrungspflanze für die Raupen zur Verfügung stehen. Zu diesen Gräsern gehören zum Beispiel Aufrechte Trespe, Gewöhnliches Knäuelgras, Wiesen-Rispengras und viele andere. Schachbrettfalter-Männchen fliegen auf der Suche nach Weibchen unermüdlich durchs Gelände. Haben sie ein Weibchen entdeckt, veranstalten beide einen sogenannten Balzflug und flattern eine Zeitlang wild umeinander herum, bis sich das Weibchen auf einer Pflanze niederlässt und es zur Paarung kommt. Tauchen Nebenbuhler auf, so werden diese vehement vertrieben. Die Eier werden vom Weibchen von Grasstängeln aus auf den Boden fallengelassen. Die jungen Raupen überwintern als Puppe in einem Gespinst am Boden.
Schachbrettfalter haben eine Vorliebe für pink- bzw. lilafarbene Blüten. Besonders beliebt sind Pflanzen wie Disteln, zum Beispiel die Nickende Distel oder die Gewöhnliche Kratzdistel. Hoch im Kurs stehen außerdem Acker-Witwenblume, Tauben-Skabiose und Berg-Sandglöckchen sowie die Wiesen- und Skabiosen-Flockenblume.
Abschließend noch ein Wort zu speziellen Mitbewohnern eines Schachbrettfalter-Habitats, den Libellen. Von Schachbrettfaltern bevorzugte Flächen sind sonnig und in der Regel insektenreich. Das
zieht nicht nur Vögel an, sondern beispielsweise auch Libellen, die das Gebiet auf der Suche nach Beute unablässig abfliegen. Das gilt insbesondere für den Großen Blaupfeil (Orthetrum cancellatum), der ungefähr die gleiche Flugzeit hat wie die Schachbrettfalter und sich gern in deren Lebensräumen tummelt. Und das, obwohl in der Literatur
Ufer- und Wasserbereiche als Lebensraum für diese Libelle angegeben werden. Wie dem auch sei. In den Schachbrettfalter-Lebensräumen, die ich seit Jahren regelmäßig aufsuche und die allesamt
ziemlich weit entfernt vom nächsten Gewässer liegen, tauchen immer einige Große Blaupfeile auf, die sich auf die Jagd nach Schachbrettfaltern machen und diese auch erbeuten. Es ist natürlich
nicht so, dass die Libellen es ausschließlich auf die Schachbrettfalter abgesehen haben, aber aufgrund ihrer lokalen Häufigkeit werden sie halt oft Opfer der Libellen.
Ulf aus Potsdam (Samstag, 29 Juni 2024 14:26)
Danke für diese wunderschöne Seite über einen Schmetterling, der leider von vielen nicht beachtet wird. In diesem Jahr ist er - wie so viele - früh dann gewesen. Bereits Mitte Juni habe ich die ersten entdeckt. Und - was noch erfreulicher ist - es gibt sehr viele. Offensichtlich kommt das Schachbrett imme rnoch gut zurecht, sofern Nektar- und Raupenpflanzen da sind. Sogar in den Gärten um uns herum kann man sie in diesem Jahr entdecken. Ansonsten ist es ja nicht so dolle mit den Schmetterlingen. Selbst die Hauhechel-Bläulinge machen sich rar.
Liebe Grüße aus Potsdam
Das ist ja nicht so weit weg.
Simone (Dienstag, 09 April 2024 14:39)
Den wunderschönen Schachbrettfalter gab es bei mir bis vor einigen Jahren fast überall. Inzwischen ist er so gut wie verschwunden und ich muss mich ziemlich weit auf die Socken machen, um ihn zu finden. Aber es lohnt sich, denn dieser Schmetterling ist wirklich wunderschön.